Stehen medizinische Notwendigkeit und wirtschaftliche Interessen im Widerspruch?

Nein, hier die Begründung:

Medizinische Sicht

Aus medizinischer Sicht kann begründet werden, dass weitere Infektionen um jeden Preis verhindert werden sollten. Mit den bisher wachsenden Infektionszahlen, der steigenden Zahl von Toten und in den nächsten Tagen noch weiter etwas wachsenden Zahl der Personen in Spitälern und auf Intensivstationen muss dieser Sicht Rechnung getragen werden.

Beim genaueren Hinschauen kann aber auch gesagt werden:

- das Wachstum hat sich stark verlangsamt (siehe Situation CH)

- der Höhepunkt bezüglich der Belastung des Gesundheitswesens ist bereits erreicht worden (siehe Prognose)

- "um jeden Preis" ist eine nicht akzeptable Aussage, eine Abwägung muss stattfinden (siehe Ökonomie)

- jede Massnahme braucht einen direkte Begründung mit genauen Zahlen, die sie rechtfertigen; die Medizin muss also zuerst die wichtigen, offenen Fragen beantworten (siehe offene Fragen)

- Werkzeuge, um die Zahlen zu erhalten gibt es, sie müssten nur eingesetzt werden (siehe Werkzeuge)

Ökonomische Sicht

Aus ökonomischer Sicht ist die Verhältnismässigkeit entscheidend zu berücksichtigen. Eine medizinische Katastrophe keine Option. Der Lockdown war also auch aus ökonomischer Sicht, mangels kurzfristigen Alternativen, unumgänglich, um noch grösseren Schaden abzuwenden.

Aber jetzt muss als erstes die Faktenlage genau geklärt werden werden und eine möglichst vollständige Transparenz erreicht werden. In den täglichen Statusberichten des BAG wurde bislang nur wenige Daten geliefert. In den neuesten Berichten wurden diese nun mit weiteren Angaben und Statistiken ergänzt. Zusätzlich wurden nun auch die kantonale Inzidenz,  Hospitalisationen (mit Vorerkrankungen und Symptomen) wie auch Altersstruktur und Aufteilung nach Geschlecht bei den Todesfällen bekanntgegeben. Das ist gut und hilfreich, aber die Angaben sind immer noch bei weitem ungenügend.

Stand 6. April 2020 um 09.00 (Statusbericht vom 5. April 08.00):

  • 21'100 laborbestätigte Fälle (positiver Test)
  • 559 Todesfälle
  • 158'000 durchgeführte Tests (ca 15% davon positiv)

Der ökonomische Aufwand um zu einer guten Übersicht und effizienten Kontrolle der Epidemie zu kommen (contact tracing & tracking mit gezielter Quarantäne), ist minimal im Vergleich zu den Kosten des generellen Lockdown.

Vermutlich gibt es keine stichhaltigen Gründe, beispielsweise den Non-Food Detailhandel weiter zu verbieten, wenn Hygiene-Massnahmen wie Abstandsregel etc. eingehalten werden. Allenfalls mit noch zusätzlichen Massnahmen wie vor Ort abgegebener / zurückzugebender Mundschutz & Handschuhe.

Um auch die ökonomische Seite berücksichtigen zu können, braucht es mehr Transparenz. Alle weiteren Massnahmen müssen informationsbasiert aufgrund von Fakten oder Schätzungen nicht nur zu den zu erwartenden Infektionsraten, sondern auch zu den ökonomischen Kosten getroffen werden.

 



 



 
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