Die abgesicherte Öffnung

Der Lockdown war aus medizinischer Sicht ein grosser Erfolg. Dieser darf nicht gefährdet werden. Der Lockdown war aber aus ökonomischer Sicht eine Katastrophe, wobei die Grösse sehr stark von der Länge und dem Ausmass des Lockdown abhängt. Der Bundesrat hat am 16. April 2020 und den Exit-Plan vorgelegt.


Exitplan vom 16. April 2020


Phase 1: Ab dem 27. April 2020

Die Spitäler können wieder sämtliche, auch nicht-dringliche Eingriffe vornehmen. Auch ambulante medizinische Praxen wie Zahnärzte oder Physiotherapeuten sowie Coiffeur-, Massage- und Kosmetikstudios dürfen ihren Betrieb wieder aufnehmen. Baumärkte, Gartencenter, Blumenläden und Gärtnereien dürfen wieder öffnen. Auch werden die Sortimentsbeschränkungen in Lebensmittelläden aufgehoben.


Phase 2: Ab dem 11. Mai 2020 

Die obligatorischen Schulen und die Läden werden wieder geöffnet.

Der definitive Entscheid darüber will der Bundesrat am 29. April 2020 fällen


Phase 3: Ab dem 8. Juni 2020 

Mittel-, Berufs- und Hochschulen sowie Museen, Zoos und Bibliotheken wieder öffnen. Der definitive Entscheid darüber will der Bundesrat am 27. Mai beschliessen.


Kosten des Lockdown pro Tag

Das Bruttoinlandprodukt im Jahr 2018 betrug 689 Mrd Franken. Pro Monat entspricht dies dann 57,4 Mrd Fr. Wenn man annimmt, dass bis am 27. April 2020 nur noch 60% der Wirtschaftsleistung erbracht wird (34,4 Mrd Fr pro Monat), dann entspricht die Reduktion der Wirtschaftsleistung in einem Monat 23 Mrd Franken. Bei der Annahme von 20 Arbeitstagen pro Monat entspricht die verlorene Wirtschaftsleistung im jetzigen Lockdown 1'148 Millionen Franken pro Tag.

In nur 3 Tagen wurde somit eine Wirtschaftsleistung verloren die dem hohen Budgetüberschuss der Eidgenosseschaft von 2019 (3.1 Mrd Franken) entspricht. Oder noch einmal anders: die in dem einem Monat verlorene Wirtschaftsleistung entspricht den Endgesamtkosten der NEAT mit Gotthard- und Lötschbergbasistunnel (22.8 Mrd Franken)


Notwendigkeit der sicheren und schrittweisen Aufhebung

In Anbetracht der enormen täglichen Kosten, muss ein Rückfall vermieden werden, der ebenfalls wieder Schaden an Leib und Leben sowie enorme Kosten verursachen würde, braucht es einerseits eine Risikoabwägung und andererseits schnelle Überwachungs- und Kontrollmechanismen. Jeder Tag zählt, und jeder dieser Tage kostet über 1'000 Millionen Franken die uns später fehlen werden. Jede Arbeitszeit-Stunde des Lockdown kostet über 100 Millionen Franken.


Risikoabwägung

Grosse Risiken können reduziert werden. Bei der Beurteilung von Risiken ist eine Abschätzung zu machen. Die Abschätzung ist dann in den ökonomischen Kontext zu setzen; es also ist eine ökonomische Risikoabwägung zu machen.

Beispiel Lebensmittelgeschäft

Beispielsweise ist es heute erlaubt in einem Lebensmittelgeschäft einkaufen zu gehen. Es ist aber gut möglich, dass jemand asymptomatisch Infiziert ist, niesen muss, ich zufällig in der Nähe vorbeilaufe und mich so anstecke.


Man könnte z.B. davon ausgehen, dass bei einer Million täglichen Einkäufen in Lebensmittelgeschäften in der Schweiz sich täglich 2 Personen neu infizieren (also 2 Infizierte pro 1 Mio Transaktionen; diese Zahl wird unten stehend als Beispielreferenz verwendet).

Die aktuelle Risikoabwägung nimmt also ein Risiko dieser Art in Kauf.

Wie gross diese Zahl genau ist, ist im Moment natürlich unbekannt. Es wäre aber sehr wichtig, genau zu wissen, wieviele Personen pro 1 Mio Einkäufe tatsächlich angesteckt werden. Eine wichtige Frage, die unbeantwortet ist, und dringend beantwortet werden sollte. Einerseits sollten analytische Verfahren und experimentelle Versuche hier weiterhelfen. Andererseits kann ein HIM System auf empirischer Basis sehr wertvolle Informationen liefern. Beidem sollte mit Dringlichkeit nachgegangen werden. Und natürlich gibt es auch pragmatische Wege, die Risiken einfach zu senken.


Einbezug der Branchen und Bereiche

Die betroffenen Branchen und Bereichen müssen einbezogen werden, wenn es darum geht abzuklären, was gemacht werden muss um das Ansteckungsrisiko tief zu halten. Dies ist jetzt angekündigt worden. Also beispielsweise welche Schutzmassnahmen im jeweiligen Arbeitsumfeld am wirksamsten und geeignetsten sind und wie so mögliche Neuinfektionen vermieden werden können. Die Branchenorganisationen, Kultur- und Sportvereinigungen, Berufsorganisationen / Standesorganisationen sind also gefordert darzulegen, dank welcher Massnahme sie das Ansteckungsrisiko genügend tief zu halten können gedenken.

So kann der Lockerungsplan effizient und möglichst risikoarm umgesetzt werden.

Mit kreativen und innovativen Massnahmen, können so vielleicht auch scheinbare Risikoaktivitäten risikoarm gemacht werden und so schneller freigegeben werden.


Schneller Überwachungs- und Kontrollmechanismus

Die oben beschriebene exponierte Person geht nach dem Einkauf nach Hause. Das Virus vermehrt sich in der Person und die Person wird jetzt infektiös. Bei einem Niesen, Husten oder nur schon beim Sprechen können sich jetzt andere Personen im Haushalt oder Arbeitsplatz ebenfalls anstecken; es bildet sich eine neue Ansteckungsketten.

Um solche Ansteckungsketten im sehr schnell zu erkennen und ganz in der Anfangsphase zu stoppen, ist ein hochaktives Infektionsketten-Monitoring (HIM) notwendig. Ohne eine HIM kann nur der Lockdown nur sehr viel langsamer gelockert werden.  Die enormen täglichen Kosten häufen sich weiter an.


Vorkehrungen für die sichere, schrittweise Aufhebung des Lockdowns

Um den Lockdown aufzuheben, sollten folgende Vorkehrungen sichergestellt werden:

- Gute Übersicht und Verständnis der aktuellen Epidemie

- Risikoabwägung jeder einzelenen Lockerung (unter Einbezug der Betroffenen)

- Notwendige Begleitmassnahmen um die Lockerung abzusichern und Risiken zu senken (unter Einbezug der Betroffenen)

- Echtzeit Überwachungs- und Interventionssystem

- Laufende Messung von Massnahmen und Auswirkungen

 



 



 
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